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Oberflächenbehandlung

 

 Polier-Mittel...
Mittel zum Finishing der Gitarre kann man heute nicht mehr so einfach in jedem Malergeschäft kaufen. Meistens muß es bestellt werden. Ein komplettes Sortiment von   Poliermitteln kann man von der Firma Zweihorn  bekommen. Zweihorn bietet zudem ein "Handbuch zur Holzoberflächenveredelung"  (als PDF-Datei) auf einer kostenlosen CD-ROM.

 

Beiz-Tipps

Lackpolieren

Erforderliche Arbeitsmittel zum Lackpolieren (alle Produkte sind bei der Firma Zweihorn erhältlich)

Folgende Arbeitsgänge sind durchzuführen:

 

Herstellen eines Polierballens

Das wichtigste Werkzeug beim Polieren ist der Polierballen.  Auf jeden Fall muß er mit Sorgfalt und aus gutem Material geformt werden. Das Innere des Polierballens besteht aus Baumwollwatte, die zu einem festen Kern - »mausförmig« heißt es in der Poliersprache  zusammengedrückt wird. Darüber zieht man einen Wolllappen (reine Wolle, nicht Synthetik). Über den Wollappen zieht man ein »tausendmal gewaschenes« Leinen. (Weniger oft ist auch noch gut genug, nur nicht neu und frisch gestärkt soll es sein.) Der Kern des Ballens kann auch aus aufgetrennter reiner Wolle - früher nahm man rohe Schafwolle - bestehen, über den das Leinen gezogen wird.

Zu Anfang des Polierens wird mit grobem Leinen poliert, die weiteren Arbeitsgänge mit mittelfeinem bis feinen Leinen vorgenommen. Der Leinenüberzug innerhalb eines Arbeitsganges soll ab und zu ausgewechselt werden.

 

Handhabung des Polierballens

Der Ballen wird beim Polieren -  glatte Fläche nach außen - fest in die Hand genommen, Daumen links des Ballens, und kreis- oder achterförmig über die Oberfläche poliert. Der frisch mit Politur getränkte Ballen wird anfangs mit leichtem Druck über die Oberfläche geführt; danach erhöht man den Druck auf den Ballen, um auch den tiefeingezogenen Rest der Politur zu verarbeiten. Jeder Ballen muß »auspoliert«, d. h. trockenpoliert werden.
Zu Anfang des Polierens, also beim Einlassen, wird die Politur Strich neben Strich gesetzt. Bei allen weiteren Arbeitsgängen wird der Ballen in kreisenden oder achterförmigen Bewegungen, die aus dem Handgelenk kommen, geführt. Es muß beim Polieren schnell gearbeitet werden. Ein Absetzen des Ballens auf der Holzoberfläche hinterläßt sofort Spuren. Zügiges Arbeiten und die Handwärme lassen den Alkohol im Polierballen verdunsten und den Schellack gut ansetzen.
Während man auf großen Flächen den Ballen hintereinander immer wieder von links nach rechts zügig auspolieren kann, muß beim Polieren von kleinen Holzflächen darauf geachtet werden, daß man sich die eben aufgetragene Schicht bei der nächsten Bewegung nicht wieder »aufreißt«. Man sollte daher kleine Pausen einlegen oder mehrere kleine Teile gleichzeitig mit einem Ballen bearbeiten.
Der Vorteil beim Ballenauftrag liegt in der »holzgerechten« Abgabe des Lackes, d. h. durch Druck des Ballens nehmen manche Stellen (Hirnholz, Strukturwirbel) mehr Flüssigkeit auf als harte Langholzstellen. Zudem arbeitet man sparsam, mit geringstem Materialaufwand und das Holz wird beim Auftrag nicht angerauht.

Schleifflüssigkeit

Nach ca. 2 Wochen Trockenzeit werden kleine Unebenheiten an der Lackoberfläche plan geschliffen. Man verreibt dazu mit einem Lappen etwas Schleifflüssigkeit auf der Holzoberfläche, und schleift mit Sandpapier (Körnung 400—600) nach. Kanten und Erhebungen werden nicht mit dem Schleifklotz, sondern vorsichtig von Hand geschliffen, da sonst der aufgetragene Lackuntergrund soweit wieder abgenommen wird, daß die nachfolgende Politur in den offenen Poren versinkt. Durch das Schleifen mit Schleifflüssigkeit wird die hochglänzende Lackoberfläche mattiert. Außerdem wird ein besonders feiner Schliff erzielt.
Nach einer Trockenzeit von mindestens 3 Stunden wird der durch das Schleifen entstandene graue Schleifstaub sorgfältig mit einem sauberen Tuch entfernt. Mit der Weiterbehandlung wird noch einige Stunden gewartet, bis die Oberfläche gänzlich getrocknet ist.

 

Verteilerpolitur

Mit einem Ballen, dessen Überzug nicht aus Leinen, sondern aus weichem Fensterleder besteht, wird Verteilerpolitur mit kräftigen, kreisenden Bewegungen auf der Oberfläche verteilt, um eventuell entstandene Schleifkratzer und noch offenstehende Poren zu beseitigen. Der Auftrag kann mehrfach in kurzen Abständen wiederholt werden. Zur Beurteilung der Holzoberfläche betrachtet man diese schräg gegen das Licht Einwandfreie Beleuchtung ist dafür Voraussetzung.
Sofort nach dem letzten Ballen Verteilerpolitur setzt man einen Ballen Deckpolitur (also Politur 1:3 verdünnt, Ballenüberzug Leinen) auf, um eine gute Verbindung mit der nachfolgenden, eigentlichen Deckpolitur zu schaffen. Danach läßt man die Fläche über Nacht trocknen.

 

Deckpolieren

Nachdem man sich eine glatte, nicht absinkende Grundpolitur geschaffen hat, wird die Deckpolitur aufgebaut. Mit einem frischen Ballen, Überzug feines Leinen, verreibt man in kreisenden Bewegungen geringste Mengen vorschriftsmäßig verdünnter Deckpolitur (ca. 1: 3). Man füllt sich etwas von der verdünnten Politur in eine flache Schale, taucht den Ballen leicht ein, um ihn dann auf der Holzoberfläche jeweils gut auszupolieren. Nach etwa 3—4 Ballenaufträgen, d. h. wenn der Ballen leicht an der Oberfläche zu kleben anfängt, sollte eine Trockenzeit von einigen Stunden besser über Nacht — eingelegt werden. Der Polierballen wird während dieser Zeit in einem Glas verschlossen. Auch die polierfähig verdünnte Politur wird während dieser Zeit gut verschlossen. Falls diese aber zu dickflüssig geworden sein sollte, kann sie jederzeit mit dem entsprechenden Lösungsmittel wieder verdünnt werden.

Die Anzahl der Ballenaufträge mit Deckpolitur richtet sich ganz nach der Holzstruktur und dem gewünschten Glanzeffekt.

Sollten sich während des Deckpolierens Streifen, rauhe Stellen oder Staub eingearbeitet haben, kann jederzeit mit Bimsmehl zwischengeschliffen werden. Man bereitet sich einen frischen Ballen zu, gibt zwischen Wolle und Leinen etwas Bimsmehl und schleift damit in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen. Anschließend muß der feine, weiße Bimsmehlstaub wieder entfernt werden, bevor weitere Politur aufgetragen wird.

Nachdem man solange wie möglich ohne Zuhilfenahme von Polieröl Deckpolitur aufgetragen hat, wird der Ballen immer schneller zu kleben anfangen, und man verwendet jetzt einige Tropfen Polieröl. Man gibt entweder einige Tropfen direkt auf die Holzfläche oder auf den Ballen und verteilt 01 und Deckpolitur gleichzeitig. Ein satter Glanz überzieht die Oberfläche und die folgenden Ballen lassen sich spielend leicht verteilen. Jeder Ballen muß trocken, d. h. auspoliert werden. Die Ballendecke erhärtet schneller als zuvor. Es sollen auch hier wie beim Handpolieren nur geringste Mengen Öl verwendet werden. Nach einigen Ballen läßt man die Fläche wieder über Nacht trocknen.

 

Auspolieren

Zum Auspolieren bereitet man sich einen frischen Wollballen zu, der mit feinem Leinen überzogen wird. Dieser frische Ballen kommt nicht mehr mit Bimsmehl oder Porenfüller in Berührung.

Es werden in diesem letzten Arbeitsgang die noch vorhandenen Ölspuren gänzlich entfernt und die Politur erhärtet. Wie beim Handpolieren dient auch beim Lackpolieren das Öl zur besseren Verteilung der Politur, muß aber abschließend wieder entfernt werden, da die Oberfläche sonst nach einiger Zeit stumpf und fleckig würde.

Der frische Ballen wird mit Abziehpolitur und wenigen Tropfen Öl in großen Zügen über die Fläche verteilt Abschließend wird dem Ballen noch etwas Alkohol oder Deckpoliturverdünner zugegeben und trockenpoliert, bis die Fläche klar ist. Letzte Ölreste werden mit einem Hochglanzpolish entfernt. Man gibt einige Tropfen direkt auf die Fläche und verreibt es mit einem Wattebausch. Mit einem sauberen Trikotlappen, den man einige Male wechseln muß, wird die Fläche wieder gesäubert, bis sie sauber und im Hochglanz steht.

Dieses Hochglanzpolish greift die Politur nicht an und kann auch zum Säubern und Auffrischen alter polierter Oberflächen benutzt werden.
Wie beim Handpolieren kann eine zu hochglänzende Fläche mit Bimsmehl, Holzkohlepulver, Tripelpulver, Wiener Kalk wieder etwas mattgebürstet werden.

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Zuletzt geändert am: 14. November 2005