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Sound-Verhalten von Röhren- und Transistor-Verstärker
Sound-Verhalten von Röhren- und Transistor-VerstärkerSicherlich hat sich schon manch einer gefragt, warum die meisten
Gitarristen den Röhrenverstärker einem Transistorverstärker vorziehen. Die Antwort ist dann meistens: Er klingt
einfach besser! Was heißt aber "besser". Viele werden antworten: Der Sound ist
voller, hat mehr "Druck", die Bässe klingen weicher. Beide Attribute werden
sowohl für den sogenannten Clean-Modus als auch für den Distortion-Modus angegeben.
Hört man sich solche einen Verstärker an, so muß man subjektiv sagen: Es ist so!
Aber warum ist das so?
Jedes Musikinstrument, das Töne erzeugt, produziert einen Sinus-Grundton und
dazugehörige Oberwellen. Diese Oberwellen (Vielfache der Grundfrequenz oder
Oberschwingungen) bestimmen die Klangfarbe eines Tones. Dies trifft auch auf die E-Gitarre
zu. Eine Gitarrensaite erzeugt einen Grundton und - bedingt durch die Bauart der Gitarre -
eine unterschiedliche Reihe von Oberwellen. Nehmen wir einen Grundton von 500 Hz (keine
Saite auf der Gitarre erzeugt normalerweise 500 Hz, aber der Einfachheit halber nehmen wir
diesen Wert), so ist die erste Oberwelle eine Sinuswelle von 1 kHz. Weitere Oberwellen
sind 1,5kHz, 2 kHz, 2,5kHz usw.
Wären diese Oberwellen nicht vorhanden, so gäbe es keinen Klang , sondern nur einen
faden Sinuston, der recht "dünn" klingen würde.
Durch Verstärkerstufen können jetzt zusätzliche Oberwellen entstehen, die sich aus
technischen Bedingungen der Bauelemente Röhre/Transistor ergeben (sogennante
Nichtlinearitäten in den Verstärker-Kennlinien). Dies sind nichtlnineare Verzerrungen
der Bauelemente. Dadurch wird der Klang des Ursprungssignals verändert.
Was der Gitarrist als Sound bezeichnet, sind technisch betrachtet die Verzerrungen eines Tones durch Gitarrenbauart und Verstärker.
Gitarren-Verstärker werden normalerweise leicht oder total übersteuert betrieben. Selbst der Clean-Sound sollte nicht ganz ohne Verzerrung vonstatten gehen (was Leo Fender bei seinen Verstärkern sicherlich immer versucht hat zu verhindern). Das Ohr empfindet den Clean-Sound aber noch als klar, sauber und voll. Der Klirrfaktor ist aber gegenüber dem Transistor-Verstärker bereits relativ hoch. Mit wachsender Aussteuerung steigt der Klirrfaktor stetig an (die Nichtlinearitäten einer Röhrenstufe werden immer dominanter).
Die Anteil der ersten Oberwelle eines Tones (doppelte Frequenz) wird immer stärker. Dies ist die Oberschwingung, die sich klanglich harmonisch einfügt. Der Anteil der ersten Oberwelle sollte für einen guten Sound daher am größten sein. Weitere Oberwellen sollten mit weit geringeren Anteilen im Klang vorkommen.
Der Klirrfaktor der Röhrenstufe steigt mit steigender Lautstärker stetig an. Das dabei entstehende Sinussignal wird "verrundet" (Klirrfaktor) und klingt laut und voll. Dies ist das typische Verhalten eines Röhrenverstärkers und wird als "weiche Übersteuerung" bezeichnet.
Der Röhrenverstärker klingt auch im übersteuerten Betrieb (Verzerrung / Distortion) noch gut.
Der Sound eines Transistorverstärkers
(Einfache Erklärung)
Bedingt durch die sehr linearen Kennlinien eines Transistors und den großen
Verstärkungsfaktoren der einzelnen Stufen kann stark gegengekoppelt werden. Dies
unterstützt die Linearität des gesamten Verstärkers. Das Sinus-Signal bleibt so
erhalten, wie es in den Verstärker eingespeist worden ist und enthält prakatisch keine
zusätzlichen Oberwellen. Dadurch klingt es "dünn" und nicht so laut wie der
Röhrenverstärker. Ideal für die HiFi-Technik! Erst am Ende der Leistungsgrenze steigt
die Nichtlinearität schlagartig an. Dies liegt daran, dass das die Größe des
Sinussignal durch die verfügbare Speisespannung begrenzt wird. Das führt zu einem
trapez-förmigen oder rechteckähnlichen Signal. Der Sound wird dadurch im übersteuerten
Bereich kratzig, weil die Anteile von höherwertigen Oberwellen zu groß werden.
Für einen Gitarrenverstärker ist dieses Verhalten aber nicht von Vorteil.
Fazit: Die Profis und ambitionierten Gitarristen schwören noch immer auf den Röhrenverstärker und sie wissen auch warum!
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Zuletzt geändert am: 24. Oktober 2001